Die verschiedenen Formen des Therapeutischen Reitens
Reittherapie und Reitpädagogik
Hippotherapie
Reiten als Sport für Behinderte
Psychotherapeutisches Reiten
Sporttherapie mit Pferden
Geschichtliches:
Der Arzt Hippokrates beschrieb den „heilsamen Rhythmus" des Reitens
In Schriften des 17. und 18. Jahrhunderts kann man folgendes lesen:
„… denn es fördert die Verdauung und den Schlaf, es fördert die Geistesmunterkeit und die Arbeitslust, die Lebens- und Nervenkraft, die Herz und Kreislauftätigkeit, die Haltung, bessert Leiden der inneren Organe
Wirkungsweisen des Einsatzes von Pferden
- Der freie Kontakt mit Tieren wirkt „heilend"
- Erfahrungen mit dem Pferd erhöhen das Selbstvertrauen
- Erfahrungen werden gemacht, die als Ressourcen genutzt werden können
- Das Getragen werden hilft Körper und Geist ins Gleichgewicht zu kommen
- Körpererfahrungen die positiv besetzt sind werden gemacht
- Schulung von Wahrnehmung und Motorik
DIE REITPÄDAGOGIK
- Pädagogische Ansätze
- Arbeit in Gruppen
- Vorrangig Kinder und Jugendliche
- Integrative Gruppen
- Eltern-Kind Reiten
Für wen ist Pädagogische/Therapeutische Reiten gedacht?
Für alle Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene die Spaß daran haben, etwas mit den Pferden zu Unternehmen, zu Reiten und die Pferde und die Natur zu genießen!!!
Zusätzlich für Menschen
- mit geistiger und/oder Lernbehinderung (z.B. Down-Syndrom)
- psychomotorischen Entwicklungsstörungen
- Wahrnehmungsstörrungen
- Sprachstörrungen (z.B. Stottern)
- Verhaltensauffälligkeiten (z.B. Autismus)
- Verhaltensstörrungen (aggressives Verhalten)
- psychosomatische Störungen (z.B. Essstörungen)
- psychische Störungen (z.B. Depressionen)
- Neurologische Störungen (z.B. Epilepsie) -> Hippotherapie
- Körperlichen Behinderungen (je nach schweregrad) -> Hippotheraie
Wer sollte nicht an einem Reittherapeutischen/ -pädagogischen Angebot teilnehmen (Kontraindikationen)?
Personen mit
- Allergien oder andere körperliche Erkrankungen
- sehr schweren Epilepsien oder Herzschwächen, die mit Medikamenten nicht ausreichend einstellbar sind
- Multiple Sklerose im akuten Schub
- schweren Hüftleiden
- seitlichen Verkrümmungen der Wirbelsäule
-> darum ist ein Arztbesuch vor der Anmeldung immer sinnvoll
Erlebnisorientierte Reitpädagogik
Sie nutzt erlebnispädagogische Theorien und Ansätze um mit Kindern Jugendlichen und Erwachsenen zu arbeiten.
Die Erlebnisse stehen als Ressourcenerfahrung im Vordergrund, wobei das Erlebnis mit den Pferden, der Natur und der Gruppe zum tragen kommt.
Es kann mit gesunden sowie behinderten und verhaltensauffälligen Personen in allen Altersgruppen gearbeitet werden.
Auch integrative Gruppen sind ein wichtiger Teil dieser Arbeit.
Die Erlebnispädagogische Reitpädagogik macht drei verschiedene Angebote:
1. Sinnvolle Freizeitaktivitäten mit pädagogischem Anspruch
Diese können für alle Altersstufen Angeboten werden.
Natürlich sitzen die 2-4 jährige Kinder noch passiv auf dem Pony, doch sie genießen die Schwingungen, die der Pferderücken auf Becken und Rumpf überträgt.
Indem sich das Kind dem ständigen Wechsel von Spannung und Entspannung anpasst werden wichtige Motorische Fähigkeiten, wie Gleichgewicht Koordination und Reaktion geschult.
zirka 20 Minuten höchstens 2-3 Mal pro Woche ist absolut unschädlich für die Kleinsten.
Aber auch Kutschfahrten, Ferienlager und Schmusestunden sowie Stallarbeiten und Ponyputzaktionen für jung und alt zählen dazu.
2. Erlebnispädagogik mit Pferden
Sind ebenso an alle Altersgruppen gerichtet.
In diesen Projekten kommt besonders die Zusammenarbeit und das soziale lernen zum tragen. Zusammenarbeit, Hilfsbereitschaft und Kommunikation sind hier wichtig.
Je älter die Kinder/Jugendlichen umso besser kann sich die Gruppe kann sich reflektieren und gemeinsam Erlebnisse verarbeiten und besprechen.
Hierzu zählen zum Beispiel Wanderritte, Nachtwanderungen mit dem Pferd oder Zirkusprojekte.
Je älter umso herausfordernder und spektakulärer das Angebot:
Für ganz kleine reicht oft schon der Ritt zum Wasser, die Älteren Reiten durchs Wasser und die Größten gehen mit den Pferden schwimmen.
3. Selbsterfahrung mit Pferden
Sind eher für ältere Kinder und Jugendliche (Reflektionsfähigkeit)
Hier kann man sich durch Interaktion mit dem Pferd selbst besser kennenlernen.
Wie reagiert das Pferd auf mich bin ich zu stürmisch (Hyperaktivität) zu ruhig oder zurückhaltend?
Nach den Stunden die einzeln oder in der Gruppe gehalten werden können wird immer reflektiert.
Ziele
Lernen durch erleben
Die Erlebnispädagogik möchte Erlebnisse vermitteln, die als Lernerfahrungen die Persönlichkeit und das Verhalten einer Person positiv beeinflussen.
Ein Erlebnis setzt ein Ereignis voraus, welches von der Person individuell aufgenommen und verarbeitet wird.
Die Lernerfahrungen können verschiedene Bereiche umfassen.
Soziales Lernen:
Gemeinsame erlebnisreiche Aktivitäten bieten Spaß aber auch Konflikte, Auseinandersetzungen, es wird geplant und in der Gruppe stehen Kommunikation (Sprachförderung) und Kooperation im Vordergrund.
Ökologisches lernen:
Natursport und Naturschutz.
Bei Ausflügen keinen Müll hinterlassen auf die Umgebung und Natur achten
Charaktererziehung und Persönlichkeitsbildung:
Lernen durch Kopf, Herz und Verstand.
Der Mensch soll als ganzes geschult werden und soll verstehen.
Kognition Physis und Emotionen gehen dabei Hand in Hand.
Selbstwahrnehmung und Selbstvertrauen werden gestärkt
Voraussetzungen zum Lernen schaffen
Lernen bedeutet sich Wissen aufgrund von neuen Erfahrungen anzueignen.
Neue Verhaltensweisen und Einstellungen können nur mit Motivation zur Veränderung gelernt werden.
Hier dient das Pferd als Motivator.
Es kann Nähe und Ruhe schenken, kann zum sich durchsetzen und aktiv werden auffordern, kann zum Kommunizieren anregen und einem ein positives Gefühl, Kraft und Stärke vermitteln.
Judith Mein
Erlebnisorientierte Reitpädagogin (*IPTH) in Ausbildung und Erzieherin
*Institut für Pferdegestützte Therapie
Quelle:
Ausbildungsordner IPTH
Fachzeitschrift: Mensch und Pferd
Zeitschrift Pferdemarkt: „Wenn Reitknirpse in den Sattel wollen"